Archiv der Kategorie: Apfel

Apfel Jakob Fischer

Jakob Fischer
Jakob Fischer

Diese Apfelsorte, auch “Schöner aus Oberland” genannt, verdankt sowohl seinen Namen als auch seine Existenz dem Umstand, dass er 1903 als kleiner Apfelbaum am Rande eines Waldes in Rottum (bei Biberach) gefunden wurde. Natürlich hiess der Mensch, der diesen Apfelbaum entdeckte – Jakob Fischer.

Der gute Mann war vom Beruf her Landwirt, Samenverkäufer und Schuhmacher, ebenso spielte er das Flügelhorn und war Gründungsmitglied des Musikvereins Mittelbruch.

Herr Fischer, wohl sehr angetan von dem Bäumchen, verpflanzte dieses in seinen eigenen Garten. Im Jahre 1912 trug der Apfelbaum zum ersten Mal Früchte. Grosse, bis zu 350 Gramm schwere, flachkugelige Äpfel mit gelber Grundfarbe und einem kräftigen rot mit violetten Streifen als Deckfarbe.

Die Erntezeit ist von Anfang bis Mitte September. Das Fleisch ist saftig und weinsäuerlich, dabei fruchtig und wunderbar knackig. Er eignet sich als Tafel- und Haushaltsobst zum Entsaften, zum Backen oder zum Einmachen. Die Haltbarkeit beträgt ungefähr 4 Wochen, bis zum Dezember in etwa. Dann muss er gegessen werden, was aufgrund seiner Köstlichkeit kein Problem darstellt.

Der Baum ist sehr robust und wird bis in Höhenlagen von 600 Metern angebaut. Feuerbrand kann ihm nichts anhaben, und auch Mehltau oder Schorf treten nur selten bei ihm auf. Nur bei schweren Böden ist er anfälliger für Krebs.
Als Befruchter sind alle diploiden Sorten geeignet. Jakob Fischer selbst ist triploid, kommt also als Befruchter für andere Apfelbäume nicht in Frage.

Jakob Fischer
Der Apfelbaum “Jakob Fischer” ist sehr wuchskräftig und robust.

Ich selber lernte diesen Apfel in meiner Schulzeit kennen. Wir schlichen uns eines Tages in einen der Hinterhöfe, der von einem riesigen Apfelbaum beherrscht wurde. Viele Äpfel lagen auf dem Boden (Jakob Fischer neigt zum Obstfall), und wir bedienten uns. Ich nahm einige der grossen Äpfel mit nach Hause, auch meine Eltern waren von dem Geschmack begeistert.

Leider ergab sich dann keine Gelegenheit mehr, diesen Hinterhof zu besuchen. Was aus dem Apfelbaum wurde, weiss ich nicht. Doch die Erinnerung an die wunderbaren Äpfel und den Geschmack sind geblieben.

Nachdem für Johanna und mich klar wurde, dass wir eine bunt gemischte Auswahl von Obstsorten haben wollten, erinnerte ich mich an diesen Apfel, dessen Namen ich noch immer nicht kannte. So recherchierten wir über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder, welche Sorte das hätte sein können.

Wie wir letztendlich herausfanden, dass es der Jakob Fischer sein KÖNNTE, weiss ich nicht mehr genau. Aber kurz nachdem uns dieser Sortenname begegnet war, begegnete uns in einem der örtlichen Baumärkte ein halb vertrocknetes Exemplar, das wir ohne zu zögern in den Einkaufswagen packten und mit nach Hause nahmen.

Kurz nach dem Einpflanzen bekam das geschundene Bäumchen rote Blätter, und wir befürchteten einen Schädlingsbefall. Zum Glück stellte sich heraus, dass es “nur” ein Sonnenbrand war. Trotzdem entfernten wir die abgefallenen Blätter um den Stamm herum, und verbrannten sie – sicher ist sicher.

Es dauerte einige Jahre, in denen der Baum langsam vor sich hin wuchs, und wir warteten gespannt darauf, dass er endlich tragen würde. Und irgendwann war es soweit. Bis zu diesem Tag war ich noch immer nicht ganz sicher, ob Jakob Fischer wirklich der Apfel aus meiner Jugendzeit war, der so köstlich geschmeckt hatte. Und dann fiel einer der Äpfel einfach ab, obwohl er noch nicht reif war.
Ich schnitt ihn auf und teilte ihn mit Johanna. Schon beim ersten Hineinbeissen wusste ich: Ja! DAS ist genau der Apfel, der sich mir vor rund 35 Jahren so tief ins Gedächtnis geprägt hatte, dass ich ihn gleich beim ersten Bissen erkannte.

Jetzt wächst er bei uns, dieser wunderbare Apfelbaum, der 1903 als Zufallssämling an einem Waldrand in Oberschwaben von einem vielseitig interessierten Mann gefunden wurde.