Konsequenter Selbstversorger

Gottfried lebt, wie er es für richtig hält. Und das konsequent.

In diesem Bericht, da bin ich sicher, hat der Reporter vieles erlebt, das ihn zum nachdenken bringt. Gottfried will nicht romantisieren, sondern zeigen, dass sein „vorbildlicher“ und „nachhaltiger“ Lebensstil einen Preis hat. Und dass dieser Preis bezahlt sein will.

Und dass die meisten von uns nicht bereit sind, diesen Preis zu bezahlen. Und andere Menschen dann doppelt zahlen müssen.

So zu leben, ist nicht romantisch. Es hat nichts damit zu tun, jeden Tag breit grinsend und „high“ von der Fülle des Lebens 5 cm über dem Boden zu schweben. Dieses Leben ist reich, vorallem reich an „Entbehrungen“, reduziert auf das, was am Leben hält, ohne Schnörkel oder reichverzierten Stuck.

Strohkartoffeln

Nachdem wir in diesem Jahr ein neues Kartoffelfeld angelegt und noch sehr viele kleine Saatkartoffeln übrig hatten, wollten wir diese nicht einfach im Kompost entsorgen.

Johanna hatte dann die Idee, diese Kartoffeln einfach auf ein abgemähtes Stück Wiese zu legen und mit Stroh zu bedecken. Und genau das taten wir dann auch um den 15.07.2016 herum.

Ich postete dieses Video unter anderem auf facebook in der Gruppe „Das Hortus-Netzwerk“ von Markus Gastl. Markus schrieb dann in einem Kommentar, dass wir wohl in rd. 14 Tagen das erste Laub sehen würden. Er hatte recht 🙂

Bevor die Kartoffeln ihre Blätter durch das Stroh geschoben hatten, freuten sich vorallem die Brennesseln über das angenehme Mikroklima. Und natürlich wuchs jede Menge Gras über die Sache. Dachten wir zumindest. Wie sich jedoch herausstellte, war das KEIN Gras. Jedenfalls kein „normales“ Wald- und Wiesengras.

Nach knapp 14 Tagen dokumentierten wir den Stand der Dinge, und entdeckten etwas Überaschendes…

Wir halten Euch auf den Laufenden, wie es mit den Strohkartoffeln weiter geht 🙂

Gluckengehege

HühnerWenn Du die Eier von Hühnern einsammeln willst, tust Du das normalerweise, wenn kein Huhn auf dem Nest sitzt. Falls doch, ist das auch kein Problem – Du nimmst die Eier vorsichtig unter ihr weg, und alles ist gut.
Nun kann es vorkommen, dass sich das Huhn aufplustert, den Kopf einzieht und krächzt Dich an. Dann solltest Du vorsichtig die Hand wieder wegnehmen, denn wahrscheinlich hast Du eine Glucke!

Eine Glucke zu haben heisst, dass vermutlich in 21 – 24 Tagen kleine Küken schlüpfen werden – sofern die Eier befruchtet sind. Wenn natürlich kein Hahn dabei ist, sind auch keine Eier befruchtet. in diesem Fall kannst Du dem Wunsch der Dame, Mutter zu werden, entsprechen, indem Du Hühnerhalter in Deiner Umgebung fragst, ob sie Dir Bruteier überlassen.

Gluckengehege
Ein Gluckengehege aus wiederverwerteten Brettern und Kanthölzern.

Es ist sinnvoll, wenn Du die Dame brüten lassen willst, ihr einen ruhigen und geschützten Platz zur Verfügung zu stellen: Ein Gluckenbrutgehege.

In diesem Glucken- oder Brutgehe hat die Glucke ihre Ruhe, denn im Hühnerstall kann es passieren, dass sie vom Hahn belästigt wird, oder ein anderes Huhn auf den Eiern sitzt, wenn sie von einem kurzen Fress- und Trinkspaziergang zurück kommt. Dann setzt sie sich auf ein anderes Nest und das Gelege kühlt aus – keine Küken.

Eine Tür, damit sich die Dame mit ihren Kleinen die Beine vertreten kann.
Eine Tür, damit sich die Dame mit ihren Kleinen die Beine vertreten kann.

Über die Grösse, die ein solches Brutgehege haben sollte, gibt es unterschiedliche Meinungen. Unseres ist rd. 2 m2 gross und hat eine Tür, damit sich die Dame die Beine vertreten kann, wenn sie möchte (und die Tür auf ist, natürlich). Der Boden ist relativ weich, und wird ab und zu mit selbst gehäckselten Sträuchern, Ästen, Gestrüpp usw. ausgestreut, damit auch was zum Scharren da ist.

Zwischen der untersten und mittleren Lage wurde ein Drahtgitter eingebracht, um Einbrüche von unten zu verhindern.
Zwischen der untersten und mittleren Lage wurde ein Drahtgitter eingebracht, um Einbrüche von unten zu verhindern.

Das Gehege steht auf einem lose verlegten, 3-lagigem Kalksandsteinfundament. Auf die erste Lage habe ich durchgehend ein 4Eck-Schweissgitter gelegt (auch als Volierendraht bekannt). Diese Massnahme ist notwendig, damit sich Ratten, Marder und sonstige Räuber nicht unter dem Fundament in das Gehege graben können und das Futter, oder womöglich die Glucke und ihre Küken fressen.

Der Draht liegt ebenerdig auf der ersten Lage, darauf habe ich noch 2 Reihen Kalksandsteine lose verlegt, und das Ganze mit dem vorhandenen Aushub aufgefüllt. Zum Schluss kam noch etwas Häckselgut hinein.

Da das Gehege aus Holz gebaut ist, sollte es nicht direkt auf dem (feuchten) Boden stehen. Es bringt nicht viel, wenn die unteren Bretter, an denen der Gehegedraht befestigt ist, verrottet sind. Das Gehege bietet dann keinen Schutz mehr.

Wie ich das Gehegefundament gebaut habe, zeige ich in diesem Video:

Apfel Jakob Fischer

Jakob Fischer
Jakob Fischer

Diese Apfelsorte, auch „Schöner aus Oberland“ genannt, verdankt sowohl seinen Namen als auch seine Existenz dem Umstand, dass er 1903 als kleiner Apfelbaum am Rande eines Waldes in Rottum (bei Biberach) gefunden wurde. Natürlich hiess der Mensch, der diesen Apfelbaum entdeckte – Jakob Fischer.

Der gute Mann war vom Beruf her Landwirt, Samenverkäufer und Schuhmacher, ebenso spielte er das Flügelhorn und war Gründungsmitglied des Musikvereins Mittelbruch.

Herr Fischer, wohl sehr angetan von dem Bäumchen, verpflanzte dieses in seinen eigenen Garten. Im Jahre 1912 trug der Apfelbaum zum ersten Mal Früchte. Grosse, bis zu 350 Gramm schwere, flachkugelige Äpfel mit gelber Grundfarbe und einem kräftigen rot mit violetten Streifen als Deckfarbe.

Die Erntezeit ist von Anfang bis Mitte September. Das Fleisch ist saftig und weinsäuerlich, dabei fruchtig und wunderbar knackig. Er eignet sich als Tafel- und Haushaltsobst zum Entsaften, zum Backen oder zum Einmachen. Die Haltbarkeit beträgt ungefähr 4 Wochen, bis zum Dezember in etwa. Dann muss er gegessen werden, was aufgrund seiner Köstlichkeit kein Problem darstellt.

Der Baum ist sehr robust und wird bis in Höhenlagen von 600 Metern angebaut. Feuerbrand kann ihm nichts anhaben, und auch Mehltau oder Schorf treten nur selten bei ihm auf. Nur bei schweren Böden ist er anfälliger für Krebs.
Als Befruchter sind alle diploiden Sorten geeignet. Jakob Fischer selbst ist triploid, kommt also als Befruchter für andere Apfelbäume nicht in Frage.

Jakob Fischer
Der Apfelbaum „Jakob Fischer“ ist sehr wuchskräftig und robust.

Ich selber lernte diesen Apfel in meiner Schulzeit kennen. Wir schlichen uns eines Tages in einen der Hinterhöfe, der von einem riesigen Apfelbaum beherrscht wurde. Viele Äpfel lagen auf dem Boden (Jakob Fischer neigt zum Obstfall), und wir bedienten uns. Ich nahm einige der grossen Äpfel mit nach Hause, auch meine Eltern waren von dem Geschmack begeistert.

Leider ergab sich dann keine Gelegenheit mehr, diesen Hinterhof zu besuchen. Was aus dem Apfelbaum wurde, weiss ich nicht. Doch die Erinnerung an die wunderbaren Äpfel und den Geschmack sind geblieben.

Nachdem für Johanna und mich klar wurde, dass wir eine bunt gemischte Auswahl von Obstsorten haben wollten, erinnerte ich mich an diesen Apfel, dessen Namen ich noch immer nicht kannte. So recherchierten wir über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder, welche Sorte das hätte sein können.

Wie wir letztendlich herausfanden, dass es der Jakob Fischer sein KÖNNTE, weiss ich nicht mehr genau. Aber kurz nachdem uns dieser Sortenname begegnet war, begegnete uns in einem der örtlichen Baumärkte ein halb vertrocknetes Exemplar, das wir ohne zu zögern in den Einkaufswagen packten und mit nach Hause nahmen.

Kurz nach dem Einpflanzen bekam das geschundene Bäumchen rote Blätter, und wir befürchteten einen Schädlingsbefall. Zum Glück stellte sich heraus, dass es „nur“ ein Sonnenbrand war. Trotzdem entfernten wir die abgefallenen Blätter um den Stamm herum, und verbrannten sie – sicher ist sicher.

Es dauerte einige Jahre, in denen der Baum langsam vor sich hin wuchs, und wir warteten gespannt darauf, dass er endlich tragen würde. Und irgendwann war es soweit. Bis zu diesem Tag war ich noch immer nicht ganz sicher, ob Jakob Fischer wirklich der Apfel aus meiner Jugendzeit war, der so köstlich geschmeckt hatte. Und dann fiel einer der Äpfel einfach ab, obwohl er noch nicht reif war.
Ich schnitt ihn auf und teilte ihn mit Johanna. Schon beim ersten Hineinbeissen wusste ich: Ja! DAS ist genau der Apfel, der sich mir vor rund 35 Jahren so tief ins Gedächtnis geprägt hatte, dass ich ihn gleich beim ersten Bissen erkannte.

Jetzt wächst er bei uns, dieser wunderbare Apfelbaum, der 1903 als Zufallssämling an einem Waldrand in Oberschwaben von einem vielseitig interessierten Mann gefunden wurde.

Begegnung im Andersland